20
Mai
2007

Wollen wir uns die im folgenden vorgestellte Variante gefallen lassen, oder wären wir nicht doch besser beraten, anstelle davon das Geld einfach von allem Wirtschaften auszusperren?


Armut mit Stil

Ein Leben in Saus und Braus ist außer der Tatsache, daß es anstrengend und langweilig ist, auch aus der Mode gekommen.
Außerdem müssen wir uns ohnehin, wenn Wirtschafts- und Umweltprognosen Glauben zu schenken ist, früher oder später nach der Decke strecken.
Am besten also, rechtzeitig zu lernen, wie mit Stil ärmlich gelebt werden kann.

Armut ist nicht nur Mangel an Geld. Keiner ist so arm wie der Reiche, dem ein gewisses Lebenskünstlertum abgeht, argumentiert ein arbeitsloser deutscher Graf
Alexander von Schönburg, ein Autodidakt in der Kunst des ärmlichen Lebens mit Stil, der es in dieser Disziplin zu einem wahren Meister gebracht hat.

Der Familien-Clan des in Berlin wohnenden Grafen verfügt über eine solide Erfahrung von vier hundert Jahren des sozialen und wirtschaftlichen Abstiegs. Der Clan, der im 10. Jahrhundert von Schloß Schönburg aus den gesamten südwestlichen Raum von Deutschland zu beherrschen sich ausgebreitet hatte, sah sich in der mißlichen Lage, vom 16. Jahrhundert ab ihre Ansprüche auf Gebiete und Besitzstände nach und nach abzugeben.

Zu Beginn der 1960er Jahre vertrieb die kommunistische Staatsgewalt Ost-Deutschlands den Clan zu guter letzt aus deren Schlössern.

Alexanders Vater konnte, als er als 16-jähriger aus dem Land floh, nur noch das Geweih eines kleinen Steinbockes retten, welches er auf seiner ersten Jagd von seinem Vater ausgehändigt bekommen hatte.
Seine Mutter, auch sie fürstlichen Geschlechts, floh aus Ungarn auf österreichisches Territorium schwimmend, ohne sonst etwas anderes mit sich geführt zu haben als die Blutegel, die sich im See an der nackten Haut angeheftet hatten. Der Vater ernährte seine Familie im Westen als Radiomoderator, und auch der Sohn wurde ein Moderator.

Die Rezension der 2000er Jahre brachte Entlassung und Arbeitslosigkeit mit sich.

Nachdem er zuerst fast am Durchdrehen war, kam es in dem Grafen zu einem Aha-Erlebnis: Ist er nicht doch ein Experte in der 15. Generation für Verarmung?!
Weshalb sollte man nicht auch trotz Verarmung anständig leben können?

In seinem Buch 'Die Kunst des stilvollen In-Ärmlichen-Verhältnissen-Lebens' stellt er Begründungen dafür auf, daß erst Armut wahren Reichtum darstellt.

Saure Vogelbeeren? Gewiß - aber in den Ausführungen des verschuldeten Grafen schwingt ein gesunder Menschenverstand mit.

Wohlstand steht allzu oft mit Geizhaftigkeit, Angeberei und übersensiblem Getue in Verbindung. Geld macht die meisten Menschen forderungenstellend, quenglerisch und komplexbeladen. Solches verringert den Wert des Lebens.

Ein mit Stil arm Lebender ist reicher als ein Banause mit einem großen Haufen Geld, vernünftelt von Schönburg.

Durch Tierversuche ist bewiesen worden, daß eine hoffnungsvolle Erwartung glücklicher macht als ein Erreichen des Erhofften.

In einem Affenkäfig war eine Lampe aufgestellt, die immer kurz davor, bevor den Affen Apfelstücke gereicht wurden, anging. Jedesmal, wenn die Lampe aufleuchtete, begannen die Gehirne der Affen das als Dopamin bekannte Glücklichkeitshormon zu produzieren. Waren die Apfelstücke dann aber in Erscheinung getreten, kam es zu keinem neuen Dopamin-Rush mehr.
Als die Äpfel mit Rosinen ausgetauscht wurden, nahm die Ausschüttung von Dopamin zu. Als anstelle von Rosinen wieder Äpfel ausgegeben wurden, begann das Einschalten der Lampe für die Affen eine Enttäuschung zu markieren, und es kam zu einer geringeren Ausschüttung von Dopamin als je davor.

Je großer die Dinge sind, die wir gewohnt sind, zu erwarten, desto wahrscheinlicher es sein wird, daß wir uns enttäuscht fühlen. Die Erwartung in sich selber stellt zufrieden, nicht das Erhalten.

Pathetisches Einkaufen verursache letztendlich ein Gefühl der Frustration. Gemäß von von Schönburg vollzieht sich ein Einkaufsbummel am glücklichmachendsten, wenn man es vermieden hat, nutzloses Zeug einzukaufen.

Weshalb bringt es die Marktwirtschaft fertig, uns von der Unabdingbarkeit von Waren zu überzeugen, obwohl diese eigentlich nur auf einem Durchmarsch sind? fragt von Schönburg, und antwortet:

Die Waren stellen die vor dem Konsumenten-Esel aufzuhängenden Möhren vor, womit jener zu ködern ist. Das Glücklich-Sein, wofür diese stehen, wird nie erreicht.

Die Reklame-Macher verkaufen die "Einzigartigkeit". Mit dem überzogenen Preis dieser Waren ersteht man sich das Gefühl, daß man zu den Elite-Menschen gehört.

Deshalb mußt du eine Louis Vuitton Tasche haben, und nicht weil sie schön ist. Echte Stilhaftigkeit sei aber nicht auf Markenprodukte aufgebaut.

Der Schreiber erzählt bewundernd von seiner Schwiegermutter, die in ein Markengeschäft von Cartier ging, um das Armband einer am Strand erstandenen Cartier verkürzen zu lassen.

- Gute Frau, Ihre Uhr ist ein Falsifikat, bemerkte der Verkäufer sachte. - Ich weiß, gab die Schwiegermutter wie beiläufig zurück, und ihr stilvoll gestyltes Lächeln war nicht aus der Fassung zu bringen gewesen.

Besitztum mache selten glücklich, begründet von Schönburg.

Ein gewisses, ihm bekanntes Ehepaar schaffte sich für deren Pensionärs-Tage auf Saint Tropez eine stattliche Villa an, die einen panoramischen Ausblick aufs Meer bietet. In dessen Vorhalle steht eine Skulptur von Giacometti, in ihrem Speisezimmer hängt ein Renoir, im Wohnzimmer ein Picasso.

Die Versicherungsgesellschaft erklärte sich bereit, deren Heim zu versichern - jedoch zu einer Bedingung: die Villa müsse stets bewacht sein und es müsse immer eines der beiden zuhause sein.
Das Paar kommt nirgendwohin zusammen weg, und sie mußten sich auch daran gewöhnen, daß alle halbe Stunde von ihrem Panorama-Fenster draußen ein bärtiger Wächter hereinblickt, um sicherzustellen, daß alles in Ordnung ist.

(aus der aktuellen Sonntagsbeilage einer beliebten finnischen Zeitung, übersetzt ins Deutsche)
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17
Mai
2007

Finnland anerkannt als das Land der freiesten Medien in der Welt

Zum Tag der Pressefreiheit in der Welt am 3. Mai wurde rechtzeitig ein jährlicher Bericht vorgelegt zum Stand der Pressefreiheit in der Welt im allgemeinen und zu deren Entwicklung im besonderen in den einzelnen Regionen und Ländern.

Es wäre 2006 ein weitläufiger Trend zu einer Abnahme der Freiheit des geschriebenen Worts zu beobachten gewesen. Die fünf am schlechtesten abschneidenden Ländern sind gemäß der Auswertung von Freedom House Burma, Kuba, Libyen, Nord-Korea und Türkmenistan. Abschlußlichter auf dem Sektor wären aber auch Russland, Weiß-Rußland, und etliche andere Länder der ehemaligen Sowjetunion, dann auch China noch, Thailand, Laos und auch die Philippinen, aber auch solche Länder wie Eritrea, auch in Marokko stehe es nicht zum besten. Von südamerikanischen Ländern wäre die Lage besonders in Venezuela, aber auch in Mexiko, Peru, Argentinien und Brasilien unbefriedigend. Verbessert aber hätten sich die Möglichkeiten des freiheitlichen Berichterstattens in Haiti, und das einzige, bis vor kurzem im Vergleich zu den Nachbarländern etwas zurückhinkende, europäische Land, Italien, hätte seit dem Abgang des Medienmoguls aus der Politik auf den Rang der anderen aufgeholt.
Ansonsten lasse sich ein gewisser Druck auf die Medien von seiten der Gesetzeslage und den Diktaten der Marktwirtschaft auch in den freien Ländern nicht verkennen. Es liegt eine Tabelle der Indizes der Pressefreiheit für jedes einzelne Land vor.
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Wenn alles bisherige Sich-Aneinander-Reiben unter den Menschen irgendwann doch noch zur Abschaffung des Geldes führt, wird man sich immerhin zum Schluß nicht beklagen können

Zur Einstimmung auf die Zeit um den Bürgerkrieg herum brauchte es kalte Haftzellen, Kakerlaken und Autos ohne Verdeck

Der Befehl drehte die Zeit auf das Jahr 1918 zurück

(ein Bericht aus der Sparte Kultur der TS vom 16. Mai 2007, übersetzt
aus dem Finnischen)


- Wo ist hier nur die vielbeschworene Stille der äußeren Inseln (im
Meeresabschnitt der Ostsee vor Turku im Süden Finnlands)?! ruft
Filmregisseur Aku Louhimies auf dem Terrain des Naturschutzgebiets von Lenholm im
Bezirk Parainen, als ein von weit her hörbares Getöse auf der
Landstraße eine Pause in den Aufnahmen für den im Frühjahr von 1918 spielendem
Der Befehl verursacht.

An den Gestaden des Meers hat sich eine Produktionsgruppe von zehn
Seelen aufgestellt. Samuli Vauramo schreitet als Feldjäger Aaro Harjula mit
einem Rucksack auf dem Rücken und einem russischen Soldatengewehr des
Jahres 1891 auf der Schulter auf der Wiese entlang.

Der Schauspieler ist in seine Rolle sogar nachts vertieft.

- Ich habe während den Aufnahmen ein asketisches Leben geführt, indem
ich in einem Halbe-Mannschaft-Gemeinschaftszelt der Armee an den Ufern
des Zweifachsees gehaust und morgens im kalten See gebadet habe, erzählt
Vauramo.

Zu Beginn der Anfang April gestarteten Aufnahmen war das Nachtlager
überraschend kalt, so sehr, daß am Morgen beim Erwachen einem der Atem
dampfte.

Begegnungen im Schilf

Der auf einen Roman von Leena Lander zurückgehende Film Der Befehl
trägt sich in der Zeit zu, als der finnische Bürgerkrieg zu seinem Ende
gekommen war und Tausende von Rotgardisten entweder auf den Beschluß eines
Feldgerichts hin oder auch ohne eines solchen hingerichtet wurden. Das
Drehbuch für den Film hat ein gewisser Jari Rantola auf der Grundlage
des Buches von Leena Lander geschrieben.

In der Geschichte macht sich der Feldjäger Harjula daran, die
Rotgardistin Miina Malin rudernd dem Standgericht von Ruukkijoki zu überbringen,
welchem der Feldrichter Emil Hallenberg (Eero Aho) vorsitzt.

- Harjula ist aus ideologischen Gründen nach Deutschland zur Schulung
gegangen, und war, als er zurückkehrte, enttäuscht, als er sich in die
Lage versetzt sah, gegen die eigenen Landsleute kämpfen zu müssen. Er
ist etwas kriegsmüde, und sieht nicht, wofür man kämpfen soll. Seiner
Meinung nach ist der Krieg willkürlich angezettelt und erinnert mehr an
Terror als an eine Kriegsführung, wie es Vauramo beschreibt.

Der Feldjäger macht sich auf den Weg, die Frau namens Miina zu
überstellen, da er einen Befehl ausführen will, laut dem Gefangengenommene
einem Gericht zuzuführen sind.

Der zuletzt im Film 'Mädchen, du bist ein Star' in Turku mit von der
Partie gewesene Vauramo hebt als einen Spitzenmoment der Aufnahmen eine
Verfolgungsszene hervor, die im Schilf aufgenommen wurde. Die scharfen,
abgestorbenen Schilfgräser brachten den Füssen Schnittwunden bei.

- So lange man im Schilf lief und herumknirschte, fiel einem gar nichts
auf. Das Adrenalin war verströmt, und man fühlte keinen Schmerz. Das
war überwältigend.

Schauspielerin saß in der Zelle

Als die Abschnitte mit dem Feldjäger gedreht werden, stellt die die
Miina spielende Pihla Viitala zunächst ein Klubmädchen dar. Danach fängt
sie damit an, sich für ihre nächste Aufnahme umzukleiden und fertig zu
maskieren.

- Zwischendurch ist es echt richtig kalt geworden. Und ich bin viel
gelaufen, bemerkt Viitala zu den Aufnahmen.

Die Miina im Film Der Befehl ist die erste Filmrolle für Viitala.

- Das ganze kann einen physisch und geistig schon schwer hernehmen, da
das Thema auch nicht gerade vom leichtesten Kaliber ist.

Miina ist gemäß Viitala eine willensstarke, intelligente Frau mit einem
Sinn für Gerechtigkeit.

Die Schauspielerin erzählt, daß sie viel Zeit in einer Zelle in
Brinkhall verbracht hat und sich auch mit den Kakerlaken anfreunden mußte.

Auf den Feldern von Parainen ist man jedoch im Schoß der Natur und als
nächstes werden die Lauf-Geräusche von Miina im Feld aufgenommen.

- Fester, fester, spornt sie der Filmregisseur an, als Viitala mit
einem schweren Mantel über den Schultern und großen Stiefeln an den Füßen
im Kreis herumläuft.

Hinterher wird der Schauspielerin Schweiß obendrauf gespritzt, denn als
nächstes ist eine Szene dran, bei der Miina hinter einem Auto
hinterherrennt.

Epochales in der Kälte

Der Film aus der Zeit des Bürgerkriegs in Finnland ist der erste
geschichtsdramatische Film des aufstrebenden finnischen Filmemachers Aku
Louhimies.

- Die Aufnahmen haben ziemliche Anforderungen an die Schauspieler
gestellt, es mußte im kalten Wasser geschwommen werden, man hatte vor
Pferden herzurennen, es gab kalte Haftzellen, Kakerlaken und Regengüsse.

Als das Standgericht von Ruukkijoki hat das Landadels-Haus von
Brinkhall im Bezirk Zweifach gedient.

Alte ländliche Gebiete und Landschaften der äußeren Schäreninseln
wurden außer in Parainen auch in den Bezirken Kustavi (Gustäfsflur), Vehmaa
(Blühendland), Nauvo gefunden.

- Wir mußten urwüchsige Naturwälder und Felder ohne verdeckte
Bewässerungsgräben finden, sowie Hinterhofsbereiche und Szenerien, wie sie vor
90 Jahren hätten sein können. Es war nicht ganz einfach, unberührte
Gebiete auszumachen, denn auch die äußeren, im Meer gelegenen inseln sind
übersät mit Gebäuden und See-Hinweisschildern, erzählt Louhimies.

Chauffeur ohne Brille

Neben Louhimies ist ein ungefähr 35-köpfiges Aufnahmeteam für den Film
schwer am Schuften, außer den Schauspielern und den Gehilfen.

- Obwohl der Film im Jahre 1918 spielt, herrscht eine ziemlich
konzentrierte Stimmung, und wir hatten auch keine ganz kopflosen Gruppen
beisammen, sagt der Regisseur.

Von örtlichen Schauspielern sind unter anderen mit dabei ein Mikko
Kauki, der einen Feldwebel spielt, Miska Kaukonen in der Rolle eines
Weißgardisten, Kimmo Rasila als ein Wächter in Ruukkijoki sowie Riitta
Salminen als eine Bäuerin. Gehilfen haben die Soldaten vom roten und vom
weißen Lager gespielt, sowie auch die Bauernmägde und -knechte.

Außerdem sind für den Film Pferde, Schafe und Kühe, sowie Kakerlaken
benötigt worden, von welchen letztere nur schwer aufzutreiben waren.

Das Aufzeichnen von Ereignissen, die nahezu hundert Jahre zurückliegen,
hat auch im übrigen im Hinblick auf die Details einiges an Überlegen
abverlangt.

- Im allgemeinen, wenn für einen Film ein Auto gebraucht wird, ist dies
leicht herbeizuschaffen, aber Autos aus dem Jahr 1917 oder 1918 sind
nicht so leicht zu finden, sagt der Filmregisseur.

Das für Den Befehl benötigte alte Auto, ein schwarzer Buick des Jahres
1917, fand sich im TS Automobil- und Kommunikationsmuseum. Zusammen mit
dem Wagen kam auch ein die Knüppelschaltung und die anderen
Kinkerlitzchen des Autos meisternder Chauffeur, ein gewisser Matti Lehtonen, ein
Restaurateur für Autos.

Lehtonen bekam einen Ledermantel, eine Schildmütze und eine glatte Hose
zum Anziehen, aber alle Anforderungen des geschichtlichen Films waren
nicht ganz so einfach zu erfüllen.

- Ich sehe schlecht, aber ich konnte meine Brille nicht benutzen, weil
es solche Dinge damals nicht gab, führt Lehtonen aus.

Der Chauffeur sollte jedoch trotzdem an die zehn Mal durch ein schmales
Tor in den Hof des Landhauses von Brinkhall stechen, und auf einen
genau vorbestimmten Platz hin.

Lehtonen, der ein paar Abende mit den Aufnahmen zugebracht hat, gibt
den Erfahrungen ein einziges Eigenschaftswort: es war bitterkalt.

- Bei meiner zweiten Szene kamen wir im offenen Wagen von einem
Picknick, so daß alle Schauspieler Sommersachen anhatten. Es ging ein stärker
Wind und alle waren ganz schön durchgefroren, stellt Lehtonen klar.

Wegen dem Landhaus und den äußeren Inseln

Der Regisseur kommt nicht umhin, regelmäßig zu erklären, wieso es ihn
so oft noch Turku zieht.

- Als ich den Film Unruhige in Turku drehte, fühlte ich mich, als wäre
ich im Ausland gewesen. Für den Film Der entblößte Mann benötigten wir das kirchliche Zentrum Finnlands, obwohl dies dann zum Schluß seine
eigenen Schwierigkeiten machte, als wir wegen der Domkirche
hierhergekommen waren. Louhimies weist auf die Rückgängigmachung der Dreherlaubnis hin.

- Das Buch von Leena Lander spielt sich in Süd-Finnland ab, aber
hierher kamen wir hauptsächlich wegen dem Landhaus von Brinkhall und den
Aufnahmeplätzen der äußeren Inseln.

Die Dreharbeiten zum Film Der Befehl gingen am Mittwoch mit
Unterwasseraufnahmen in Inkoo weiter. Danach zieht die Aufnahmetruppe auf eine
kleine, auf der Südseite von Jurmo gelegene Insel weiter.

In Turku werden im Sommer auch die Dreharbeiten für einen weiteren
Leena-Lander-Film an der Reihe sein, für Das Heim der schwarzen
Schmetterlinge mit Dome Karukoski als Regisseur. Die Erstaufführung des Films Der
Befehl wird aller Voraussicht nach in finnischen Lichtspielhäusern am
5. Januar, und die von Das Heim der schwarzen Schmetterlinge am 11.
Januar 2008 sein.

Kaisa Kujanpää

16
Mai
2007

Die extra königlichen Sonderrechte aufs alte Maß zurechtstutzen

weiblicher-Gondoliere

"Die Frauen haben die BBC verdorben"
(8.5.2007)

Der in Groß-Britannien sehr bekannte Sternenwissenschaftler und
Fernsehmacher Sir Patrick Moore, 84, hält das Fernsehangebot seines
Arbeitgebers, der BBC, im mindesten für bedauerlich. Gemäß Moore hat die
Rundfunkanstalt BBC das Fernsehen durch ihre Lebensstilsendungen, die man nach
Anschauung von Moore in das nächste Schwarze Loch verweisen sollte,
verdorben.

"Das Problem dabei ist, daß die BBC von Frauen geführt wird, und das
sieht man dem Programm auch an: Seifenopern, Gekoche, Quiz-Spiele,
Abwaschbeckentheaterstücke," läßt Moore vom Stapel.

Ausgebuht werden auch die Nachrichten-Sprecherinnen. "Diese gewitzten
Frauen sind nicht meinetwegen da."

Moore moderiert die Sendung "The Sky at Night" (der nächtliche Himmel),
die schon 50 Jahre am Laufen, und eins der am längsten laufenden
Fernseh-Programme in Groß-Britannien ist. Neulich fühlte Moore sich verletzt,
als die BBC die Sendezeit seines Programms auf die frühen Morgenstunden
verlegte.

Beute eines Menschenfresserlifts geworden
(7.5.2007)

Zwei junge Norweger hatten sich aufgemacht, den Lift des Bahnhofs in
Lillestrøm zu beschädigen, und ließen außer Acht, daß sie selbst im Lift
waren.

Der Lift verschloss seine Tür und hielt die jungen Übeltäter in sich
gefangen, bis die Polizei erschien.

"Aggressiv sich irgendwo auszutoben ist immer von Übel, aber viele
sehen dabei eine lustige Seite," sagte die Sprecherin der Eisenbahn, Ellen
Svendsvoll. "Es ist ihnen recht geschehen."

Die jungen Männer waren in den Lift gestiegen und fingen an, auf dessen
Tür einzuschlagen.

Der Lift verschloss sich. Sicherheitskräfte versuchten, die Tür
aufzubekommen, aber sie verklemmte sich nur noch mehr. Es wurden Polizei und
Feuerwehr zu Hilfe gerufen.

"Durch eine Schandtat selbst kann man schon festgenommen sein," sagte
Svendsvoll. "Ich weiß nicht, was diese sich dabei gedacht haben. Wohl
gar nichts."

Den Zerstörungswütigen steht eine Rechnung von 10'000 Euro in Aussicht.

Der Photograph Tunick stellte den Nackedei-Rekord auf
(7.5.2007)

Über 18'000 Menschen zogen ihre Kleider auf dem Zocalo-Platz von Mexico
City aus im bisher größten Nacktaufnahmeprojekt des Photographen
Spencer Tunick.

Der Künstler aus Brooklyn wurde durch seine Bilder berühmt, auf denen
tausende nackter Menschen auf öffentlichen Plätzen posieren. In Finnland
waren ein paar Tausend Nackte 2002 im Zentrum von Helsinki für ein Bild
zusammengekommen.

Nirgendwo waren jedoch vormals so viele auf einem Platz
zusammengekommen wie in Mexiko. Die Stehenden, in der Embryostellung
Zusammengekauerten und auf dem Boden Liegenden formierten am frühen Sonntagmorgen ein
Meer der Nackten.

"Wichtig dabei ist es, daß es sich nicht um deinen Körper oder um den
eines anderen dreht, sondern darum, daß man zusammen irgendwo teilnimmt,
als eine Gemeinschaft," erklärte der 25-jährige Ingenieur Oscar Roman
Muñoz, der am Ort erschienen war.

Auf dem ersten Bild von Tunick waren die Modelle am Stehen, um der
mexikanischen Flagge die Ehre zu erweisen, für das zweite hatten sich die
Menschen auf den Boden gelegt, und formten so ein "Bettuch aus Menschen"
um einen auf einem Rollstuhl sitzenden nackten Mann herum. Zwischen den
Aufnahmen stimmte die nackte Schar mexikanische Volkslieder an.

In Malaysia gehen 196'000 Dosen Bier den Kanal hinab
(8.5.2007)

Die Zollbehörde von Malaysia beabsichtigt, über 196'000 Dosen von
geschmuggeltem Bier den Kanal hinunterlaufen zu lassen.

Der Grund ist der, daß das Bier von einer kriminellen Bande
beschlagnahmt wurde, die sich auf den Verkauf von steuerfreien Getränken an
Restaurants und Laden spezialisiert hatte.

Die Behörde kann das Bier auch nicht in einer Versteigerung
losschlagen, da dessen Verkauf eine Einwirkung auf den binnenländischen Markt
hätte, berichtete die Zeitung Star am Dienstag.

Die Schmuggler hatten über ein halbes Jahr lang das Bier hergeschafft,
um es in Hongkong, Singapur und Malaysia weiterzuverkaufen. Die Pläne
gingen den Bach hinab, als die Behörden eine Razzia in einem
industriellen Gebäude machten, wo das Bierlager eingerichtet worden war.

Der König vergaß seine Elektrorechnungen
(8.5.2007)

König Gyanendra von Nepal hat 11 Jahre lang die Stromrechnungen für
seine Paläste vernachlässigt. Laut der Zeitung Kathmandu Post stehen bei
den Rechnungen Rückstandbeträge von 33 Millionen Rupien, bzw. 370'000
Euro aus. Dies macht die königliche Familie zu den schlimmsten
Vernachlässigern der Elektrorechnungen.

"Wir haben regelmäßig die anwachsenden Stromrechnungen an den Palast
und an die Königssippe geschickt. Niemand hat darauf reagiert, geschweige
denn bezahlt," berichtete eine Quelle dem Blatt.

"Aufgrund ihrer Position können wir nicht zu Maßnahmen schreiten, wie
die Stromversorgung abschneiden."

Die sich angehäuften Stromrechnungen sind nicht das einzige, was dem
König, der im letzten Jahr seine Macht einbüßte, droht. Die Regierung von
Nepal beschloß kürzlich, das Dienstpersonal des Königs zu entlassen.
Auch die Abgabe der Krone dürfte noch den Wahlen im Sommer anstehen.

Meßsystemmärtyrer obsiegten
(11.5.2007)

Nichts ist sturköpfiger als ein waschechter Brite.

Dies mußten nun auch die EU-Bürokraten erfahren, die nach einem Kampf
über Jahre hinweg sich nun den ihre eigenen Meßeinheiten verteidigenden
Briten gegenüber geschlagen geben mußten.

Ein Beauftragtenausschuß der EU gab zu Anfang der Woche bekannt, daß
die Briten weiterhin Yards, Meilen, Fuß und Unzen benützen dürfen.

Gemäß einem früheren Beschluß wären die Briten gehalten gewesen, vom
Jahr 2009 an von ihren geliebten Maßen Abschied zu nehmen. Eine
Vereinigung von Meßsystemmärtyrern, die die Britenmaße in Schutz nahmen, ist
besonders mit der Entscheidung zufrieden.

In den Pubs war keine solche Not aufgekommen, denn diese haben auf
Beschluß von Brüssel für alle Zeiten das Sonderrecht zugesprochen bekommen,
nach britischen Maßen auszuschenken.

Lucy, das Kalb mit den zwei Nasen
(12.5.2007)

Mark Krombholz mußte sein neugeborenes Kalb etliche Male betrachten,
bevor er glauben konnte, was er sah: Hatte es doch tatsächlich zwei
Mäuler.

"Ich hatte nichts besonders an ihm feststellen können, bis als ich es
in den Stall brachte," erzählt Krombholz.

Das Zwillingsmaul ist dem Kalb, das Lucy getauft wurde, auf das erste
draufgewachsen. Laut dem Heranzieher von Lucy, Scott Grund, scheint das
Maulstück ausgezeichnet zu funktionieren und dem Tier daraus kein
Nachteil zu erwachsen.

"Es macht den Eindruck, daß es bequem auf seinem Stroh liegt und
atmet," sagte er.

"Nur eben, daß es zwei Mäuler hat."

Gemäß Grund ist eine Mißbildung ähnlich der von Lucy im allgemeinen
nicht durch Gene verursacht.

Lucy, die am 4. Mai zur Welt kam, wird ein gemütliches Dasein haben,
denn es ist beschlossen worden, sie auf dem Hof von Krombholz als Tier
zum Verhätscheln zu halten.

(sämtliche Artikel aus dem Finnischen übersetzt)

Das Paradies auf Erden läßt sich so ohne weiteres nicht erzwingen

Dreimal ein Hoch der Abschaffung des Geldes!!! Haau Haauu Helau!!!

Von keinem Trost wird ein Betrübter mehr erquickt,
als wenn er einen noch Betrübteren erblickt.

Oft hat das beste Herz zum Ärgsten sich verirrt,
wie aus dem süßten Wein der schärfste Essig wird.

Bitt' um Verzeihung nur den, der sich glaubt gekränkt;
und kränktest du ihn nicht, genug daß er es denkt.

Die Schlange wendet sich und windet sich mit Drehn;
laß ihr den Schlangengang, sie kann nicht grade gehn.

Der kann wohl leiden, daß man seine Fehler rügt,
wer große Tugenden zu kleinern Fehlern fügt.

Nicht Achtung kannst du dem, der dich nicht achtet, schenken,
oder du mußt sogleich von dir geringer denken.

Der Esel ißt wie der Distelfinke Distel,
deswegen singt er doch so fein nicht durch die Fistel.

Tun, was schon ist getan, dergleichen tun die Toren;
an einer Perle kann man nicht zwei Löcher bohren.

Das Gute wissen, weit ist noch das Tun davon;
das Böse kennen, ist des Bösen Anfang schon.

Des Weisen stille Trän' ist mehr wohl als des Toren
lautes Gelächter wert, doch beides ist verloren.

Das Wünschen tut es nicht, Anstrengung muß es machen;
dem schlafenden Löwen läuft das Wild nicht in den Rächen.

Erst denkst du nicht daran, wie weit es sei zum Ziel;
schon ist es halb getan, nun ist der Rest ein Spiel.

Ein Weiser überhebt sich nicht, wenn Toren fallen,
von ihrem Beispiel lernt er nur bedächt'ger wallen.

Wer zwingen will die Zeit, den wird sie selber zwingen;
wer sie gewähren läßt, dem wird sie Rosen bringen.


Anschlag auf die freieste Presse der Welt?

Web-Seiten der finnischen Radioanstalt Yle funktionierten nicht mehr
(Dienstag, der 15.5.2007)

Das Problem mit den Internet-Seiten der finnischen Rundfunkanstalt Yle, das sich am gestrigen Montag eingestellt hatte, bestand weiterhin bis zum gestrigen Tag. Das Wegbrechen der Internet-Seiten fing am Montag nachmittag an, wonach die Seiten nur noch sporadisch funktionierten, wie aus dem Hause von Yleisradio berichtet wird. Es wird in der Rundfunkanstalt der Verdacht gehegt, daß die Ursache des Problems ein internationaler Anschlag auf die Server der Gesellschaft sei. Laut Text-TV von Yle waren die Internet-Seiten seit Dienstag morgen 8 Uhr nicht mehr verfügbar.
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Mithin ein interessantestes Programm dürfte es sein, etwas völlig neues, aufregendes zu schaffen

Sprachgeschichtliches zum vorprogrammierten Leben

« ein kultureller Kommentar, aus dem Finnischen übersetzt »

Das Fernsehen ist voll mit allerlei Grand-Prix-Programmen. Die Kinder
plagen ihre Eltern wegen neuesten Computer-Programmen ab. Das
Spiele-Programm der Weltmeisterschaft ist, wie man hört, fad.

"Was hast du am Mai-Feiertag auf dem Programm stehen?" will ein Kollege
von mir wissen. "Ich dachte daran, die politischen Richtlinienprogramme
des neuen Regierungsprogramms zu lesen," gebe ich als Antwort zurück,
ohne mir etwas anmerken zu lassen.

Diese politischen Richtlinienprogramme bestehen aus dem
Richtlinienprogramm für Arbeit, Unternehmertum und Arbeitsleben, dem
Richtlinienprogramm für die Beförderung der Gesundheit und dem Richtlinienprogramm für das Wohlergehen von Kindern, Jugendlichen und den Familien. Gemäß dem
Regierungsprogramm handelt es sich bei politischen Richtlinienprogrammen
um "extensive, ressorts-überlappende Aufgabenkomplexe zur Erreichung
von zentralen Zielen der Regierung" und sie "bestehen aus Maßnahmen,
Unternehmungen und bewilligten Geldern, welche Handelsbereiche von
verschiedenen Ministerien betreffen."

Wenn ich die geschmacks- und geruchslose, programmatische Sprache der
politischen Richtlinienprogramme des Regierungsprogramms lese, kommt mir
die gedankliche Vorstellung des Schriftstellers Eino Leino von "einem
Halfter für den Wolf, und einem Gängelband für die Begierde" in den
Sinn. Das programmierte, politische Leben mit all seinen Beförderungen,
Bestrebungen und Ausarbeitungen macht mir, wenn ich ehrlich bin, keinen
besonders frischbackig gesunden (oder wie bezeichnet man das Gegenteil
von blutleer?), geschweige denn einen geistreichen Eindruck!

Ist das überhaupt eines Menschen Gespreche? Wer leitet hier wen an?
"Man fährt ohne ein Ziel, wenn ein Halbgebackener am Steuer sitzt,"
weiß der Volksmund zu sagen.

Wenn man in das Suchprogramm des Internets den Begriff "Programm"
eingibt, kommen über sechs Millionen Treffer zusammen. "Liebe" hingegen
trifft nur eine Million mal zu, "Brot" ein paar hunderttausende von Male.
Das "Leben" schafft es auf vier Millionen (wohlgemerkt beziehen sich
diese Zahlen auf die Resultate bei der Eingabe der Begriffe auf
Finnisch!).

Unser Leben scheint heutzutage in vielerlei Weisen programmiert zu
sein. Kaum konnte wohl ein Yrjö Koskinen im Jahre 1880 geahnt haben, daß
aus seinem neuen finnischen Wort für Programm (ohjelma von ohjata:
lenken, leiten) hundert Jahre später das Lieblingswort der Finnen würde.
Koskinen bildete das Wort als Gegenstück zum schwedischen Wort program und,
um die Wörter julistuskirja (festgeschriebene Ankündigung) und
kutsumuskirja (festgeschriebene Berufung) zu ersetzen.

Die Geschichte des Worts ohjelma für Programm ist interessant, wenn man
des Wortes neuzeitige Verwendungen in Betracht zieht. Ohjelma dürfte
auf dem germanisch-stämmigen Wort "ohja" (Führung) beruhen, wie auch die
Wörter ohje (Rat, Regel) und auch ohjas (Zügel). Von der
altgermanischen Urform von ohja stammt zum Beispiel auch das Wort Öse des
Neu-Hochdeutschen ab.

Bei der heutigen Lawine an Programmen kann man sich nicht immer des
Eindrucks erwehren, daß jemand meine Zügel strafft oder daß eine Öse,
Schlinge um meinen Hals herum sich zuzieht. Wenn ein Mensch nach seinem
Programm gefragt wird, wird gleichzeitig zu verstehen gegeben, daß das
Leben ein vorprogrammiertes und ein durchgeplantes sein soll.

Ein Mensch ohne Programm ist ein Mensch ohne eine Existenz.

Falls du selbst kein Programm für die Zukunft haben solltest, mach' dir
keine Sorgen. Es gibt genügend Anbieter für Programme, und auch
genügend Lebensberater.

Dem nahm sich schon eine Maria Jotuni in ihrem Buch "Im wankenden Haus"
an: "Bin ich doch angefüllt mit Leben, also stelle auch ich einen Sinn
des Lebens dar, und meine Bestimmung ist nicht ein von außen her
übernommenes Programm. Was nur ihr älteren Menschen schulmeistert und unser
Leben kompliziert und schwierig machen wollt?"

VESA HEIKKINEN
Dozent der finnischen Sprache

15
Mai
2007

Ein Arbeitsklima, in dem Arbeiten auch Spaß macht, ist eine Grundvoraussetzung dafür, daß die Menschen es schaffen werden, zu guter Letzt übers Geld hinwegzukommen

Mach' lachend immer deine Arbeit

(ein Bericht aus dem Sonntagsteil der Zeitung Turun Sanomat vom
29.4.2007, übersetzt aus dem Finnischen)


- Humor am Arbeitsplatz hat im Zuge des Drucks auf den Arbeitsrhytmus
abgenommen. Sarkasmus und schwarzer Humor haben zugenommen, darüber, wie
den Menschen das Leben schwer gemacht wird.

Diese Zusammenfassung des Schriftstellers Vesa Karvinen, der über Humor
schreibt und Schulungen für Humor betreibt, des gegenwärtigen Standorts
von Humor am Arbeitsplatz stimmt einen ernst.

Gemäß Karvinen hat das Lachen abgenommen: die Menschen der 1970er Jahre
lachten nach einer französischen Studie im Durchschnitt 14 Minuten am
Tag, während heutzutage das gewisse Gesichtsverziehen es gerade mal auf
6-7 Minuten am Tage bringt.

Im Arbeitsleben ist man immer noch dabei, die Ernte der Rezension der
1990er einzufahren. Als man aus der Rezension herauskam, blieben die im
Arbeitsleben latent vorhandenen Energiereserven, die das
Durchhaltevermögen trainieren, auf der Strecke. Die Arbeit veränderte sich
dahingehend, daß sie teilweise nach einem zwanghaften Rhytmus abläuft. Zudem
haben Schicht- und Fernarbeit die Möglichkeit verringert, mit
Arbeitskollegen zusammenzukommen, welches eine der Bedingungen für Humor bei der
Arbeit ist. In Gemeinschaft lacht der Mensch 30 Mal so oft wie alleine!

Die Arbeit der Neuzeit definiert sich durch "Globalisation",
"Erfolgsorientiertheit" und "Wettbewerbsfähigkeit", wobei aber teilweise deren
menschlichen Seiten dabei verschütt gegangen sind. Karvinen glaubt
jedoch, daß man diese wieder findet, zumindest, daß man sie sucht.

- Die besten Vormänner haben dies kapiert.

Von den Arbeitsplätzen in Turku wird erzählt, daß die Hetze klar das
Lachen verringere, aber daß es trotzdem nicht verschwunden wäre. In der
Tablettenverpackungsstelle der pharmazeutischen Fabrik Orion, wie auch
allgemein auf Arbeitsplätzen, ist am verbreitetsten eine sich auf
Ereignisse und Geschehen beziehende Situationskomik.

Laut der Fließbandbetreuerin Reija Saunamäki kommen lustige Situationen
auf, die kommen und gehen, und zuhause kommt einem die Geschichte
vielleicht gar nicht mehr amüsant vor.

- Bei uns gibt es einige Personen, die lustig sind, egal, was sie
sagen, setzt die Produktionsassistentin Ritva Sireeni-Suominen dazu.

Der gemütliche Teil der Arbeit konzentriert sich auf die Kantine, sowie
auf die Vesperstube, aber besonders scheint die Blume des Humors
inmitten von Rauch zu sprießen.

- Gewisse Leute in der Raucherkabine, die das Wort anführen, können
sehr schön die Ereignisse des Tages in Witze umfärben, beschreibt es der
Fließbandmonteur Pertti Rantanen.

- Es geht da so lustig zu, daß man gar nicht zum Kaffeetrinken kommt,
legt Sireeni-Suominen drauf.

Über die Produkte bzw. die Medikamente werden verwunderlicherweise
keine Witze gerissen, höchstens mal über Anlagen, wenn's wo geklemmt hat.

* Was sagt ein Computerfreak, wenn er mal dringend austreten muß? -
Hab' 'ne schreckliche bits-Not! Wo ist das nächste PeeCee? *


Der IT-Experte Max Santalahti, Innovationsmanager auf der Abteilung für
Bank- und Versicherungswesen der Firma Tietoenatori erzählt, daß bei
ihnen Humor sich hauptsächlich aus den Ereignissen im Alltag ergibt.

- Es gibt bei uns eine Cafeteria, wo man vorbeischaut, Zeitung gelesen
wird, und wo man, meinetwegen, erzählt, daß jemand eine tolle Werbung
irgendwo gesehen hat.

- Wenn jemand ein neues Hemd oder eine neue Krawatte hat, so wird dies
wohlgefällig kommentiert. Auch die knauserige Linie der Kantine - nur
ein Stück vom Rindsfleisch - belustigt. Wir spielten mit dem Gedanken,
wie man unter dem Kartoffelpürree ein "unerlaubtes" Stück Rindfleisch
verstecken könnte.

- Wir lachen auch darüber, wenn sich ein anderer vertut, aber das ist
nichts böswilliges.

In der IT-Branche findet sich auch Humor, der mit der Technik und mit
der Programmiersprache zu tun hat, Insider-Geschichten, die laut dem
Ausbilder für Humor besonders wohltuend sind: diese schweißen
Berufsgruppen und Arbeitsgemeinschaften am besten zusammen.

Santalahti konnte nicht beobachten, daß sich der Humor über die Jahre
verändert hätte, aber die Struktur der neuen offenen Bürolandschaft übt
einen Einfluß aus: man ist angehalten, die Lautstarke beim Reden zu
begrenzen, aber auf der ändern Seite kann sich Humor auch sofort
ausbreiten. Und genügend gibt es davon, was sich auch ausbreiten läßt, denn laut
Santalahti sind IT-Beschäftigte keine verdorrten Computerbesessenen.

Der sich innerhalb von 10-15 Jahren weithin verbreitete Witz per
Textnachricht und Email erfreut sich unter den IT-Leuten großer Beliebtheit.
Nach Meinung von Santalahti wäre es unverständlich, wenn dieser
Witze-Verkehr eingeschränkt würde. Eine derartige Diktatur würde die
Kreativität abtöten, die man beim Entwickeln von Adaptionen braucht.

* Ein Käufer kommt in einen Laden für Gebrauchtwagen:
- Ich würde gern ein gutes und ein billiges Auto wollen.
- Das paßt: bei uns findet sich beides *


Gemäß dem Ausbilder für Humor handelt es sich bei Situationskomik und
bei Insider-Humor um gutartige Spezies. Zu den guten Arten wäre auch der
schwarze Humor zu rechnen, mittels dem Ängste abgebaut werden. Die
Bosse stellen immer das wichtigste Verreiß-Potential dar, und in umso
schwärzeren Wortwendungen, je steifer die Atmosphäre.

Schlechter Humor am Arbeitsplatz ist ein Sinn für Witz, der sich auf
die Ausübung der Macht und andererseits auf Sexualität, auf physische
Charakterzüge oder auf die ethnische Herkunft bezieht.

Nicht ganz so gut sind oft auch die Späße auf Kosten von Neulingen, die
mit der Tradition des Berufsstands zu tun haben, die allzu heftig
ausfallen können. Die Verulkung von Neulingen ist selten geworden. In
früheren Jahren konnte ein Setzermeister einen Buchdrucker-Lehrling
losschicken, runde Häubchen fürs Å, die angeblich ausgegangen wären, in der
Eisenwarenhandlung holen zu gehen.

Der Automonteur Tuomas Glückert von der Firma Autoland in Turku
erzählt, daß der in seine vierjährige Arbeitslaufbahn fallende Besitzerwechsel
für ausgezeichneten schwarzen Humor gesorgt hat.

- Über die Verhandlungen zu den Arbeitsverträgen wurde galgenvogelmäßig
hergezogen, und wenn ein Arbeitskumpel irgend einen Brief bekam, hakte
gleich ein anderer ein: "Das dürfte wohl deine Lohnsteuerkarte sein".
Doch war das Ende der Geschichte im Autoland zum Glück das beste, was
passieren konnte: niemand mußte reisen.

Jetzt pflegt Glückert im normalen Alltag vor allem mit dem Monteur
neben ihm den Humor, und etwas humorvoll Lustiges läßt sich an allen Ecken
entdecken, von der Führungsetage angefangen.

- In einer männerdominanten Branche handelt es sich bei den Geschichten
oft um Lustiges des unteren Körpererbereichs. In der Brotzeit-Gruppe
treten die Dummheiten, die in den Köpfen stecken, alle hervor, und aufs
Wochenende hinzu kann das schlimm werden. Am Freitag um 14 Uhr kann es
dort sehr ausgelassen zugehen, wie der redselige Monteur klarmacht.

Über Autos werden nur recht wenige Witze gemacht, in erster Linie etwa
zu Fabrikdefekten bei Ford-Modellen.

* Ein Chirurg redete beruhigend auf den Patienten ein:
- Das wird jetzt schon das dreißigste Mal, daß ich die Operation mache.
Einmal wird sie denn doch von Erfolg sein *


Gelegenheiten für Humor gibt es am häufigsten auf solchen Arbeiten, in
denen man mit Kunden zu tun hat. Also auf der des Händlers, der Polizei
und des Arztes.

Im Café der Tageschirurgie auf Block T im Krankenhaus der Technischen
Hochschule von Helsinki (Tyks) wird erzählt, daß bei ihnen die Patienten
während der Operation im allgemeinen wach sind, so daß man die
Angebrachtheit einer humorvollen Geschichte an der Aura des Patienten
wahrnehmen kann. Wenn die Geschichten gut einschlagen, haben alle einen Nutzen
davon.

- Ein tolles Feeling, den Patienten zu beruhigen, und dabei braucht man
dann auch weniger schmerzstillende Mittel, sagt die Krankenpflegerin
Marjut Mertsola.

Laut Forschungsberichten würde der größte Teil der Klienten bei der
Gesundheitsbetreuung, im besonderen die Männer, mehr Humor sich bei den
Begegnungen mit den Ärzten wünschen. In den Vereinigten Staaten wurde
beobachtet, daß mit humoristischen Info-Packages für eine größere
Operation ausgerüstete Patienten schneller genesten als solche, die ein
trockenes Material zur Sache bekommen hatten.

Der Humor innerhalb des Pflegepersonals im Tyks ist abwechslungsreich.
Je anspruchsvoller die Arbeit, desto wüster die Geschichten. Gemäß der
Ärztin für plastische Chirurgie Tarja Niemi ist der Humor auf der
Notfall- und auf der Intensivpflege-Station und im Operationssaal am
kernigsten und es gibt mehr davon als auf den Betten-Stationen.

Laut Niemi hat die Arbeit im Team das Klima freiheitlicher werden
lassen, indem es die Standesunterschiede zwischen den Ärzten und den
Pflegern abgeflacht hat. Keiner im Team braucht sich klein vorkommen und still
sein.

- Die Auszubildenden erzählen immer noch keine Witze, aber die
Krankenpfleger verstehen, daß dies auch wiederum nicht so eine ernste Sache
ist, und die Medizinabgabe-Überwacher, diese erst können Witze erzählen!

Es besteht kein Mangel an Witzen in der Branche.

- Chirurgen haben ein so gutes Selbstbewußtsein, daß sie es
fertigbringen, über sich selbst zu witzeln und sich solche Witze anzuhören, wie es
Niemi sieht.

* Ein junger Mann bewarb sich in einer Fabrik für einen Sommerjob, und
der Chef wunderte sich über seinen Lohnwunsch:
- Für einen Anfänger forderst du aber einen wahnsinnig hohen Lohn.
- Mag sein, es ist aber die Arbeit auch viel schwieriger, wenn man noch
von nichts was versteht *


- Das Auftreten von Humor ist ein Zeichen dafür, daß die
Arbeitsgemeinschaft funktioniert, sagt die Chirurgin.

- Wenn man bei der Arbeit in Eile ist, und irgendeiner läßt einen
lustigen Lästerspruch vom Stapel, und sei's nur über die Angespanntheit, in
der man steht, fühlt man sich gleich besser, das befreit, wie es der
Fließbandmonteur von der Tablettenverpackungsstelle beschreibt.

- Es schafft eine Belustigung und gibt die Möglichkeit, für einen
Augenblick von den Angelegenheiten der Arbeit abzuschalten. Sich auf den
Humor zu verlegen, ist auch eine Art, wenn man schwierige Dinge anzugehen
hat, sagt der IT-Sachkundige.

- Es schafft frischen Wind, man leistet dabei mehr, wie es der
Automonteur auf den Punkt bringt.

Dem Ausbilder für Humor Karvinen zufolge ist Humor am Arbeitsplatz ein
sozialer Klebstoff, der die Gemeinschaft zusammenfügt - obwohl er sie
manchmal auch auseinanderbringen kann: wenn eine Gruppe hinter einem
Divider am Kichern ist, denkt vielleicht jemand davor, daß nun über ihn
oder sie gelacht wird.

Karvinen hat von Arbeitgebern gehört, die das Lachen verboten haben,
aber nach seiner Meinung sollten die Chefs das Lachen bei der Arbeit als
ein gutes Zeichen auslegen und lernen, auch über sich selbst zu lachen.
Der Humor fördert den Lauf der Arbeit.

- Lachen ist beruhigend und befreit: 20 Sekunden Lachen entsprechen 3
Minuten Joggen. Darauf basiert zum Beispiel der Yoga des Lachens, bei
dem gar kein allgemeiner Sinn für Humor verlangt ist, wie Vesä Karvinen
weiß.

RITVA SETÄLÄ

Ja nur sich nicht genieren, herauszuragen, um der Menschheit etwas gutes zu tun!

Der Ton, der das Spiel angibt

(eine Kolumne vom 3. Mai 2007 aus dem Partei-Blatt der Grünen von
Finnland 'Grünes Garn' [vihreä lanka], übersetzt aus dem Finnischen)


Die Redakteure Leena Sharma und Ville Blåfield veröffentlichten vor
kurzem das Buch "Wer sich auf ein Spiel einläßt... Die Gier nach Publicity
und ihr Preis" (im finnischen Original "Ken leikkiin ryhtyy... Julkisuuden himo ja hinta"). Darin erzählen bekannte Politiker und Profis aus
der Unterhaltungs- oder Kunstbranche, die in der Öffentlichkeit ihre
Privatsphäre - entweder freiwillig oder angesichts eines Zwangs -
offengelegt haben, von ihren Erfahrungen.

Etliche Dinge kamen bei fast allen Interviews an die Oberfläche: in der
Zeit während der letzten zehn Jahre ist man in immer schnellerem
Rhytmus zusehends mehr vom sachlichen Journalismus, bei dem der Inhalt im
Mittelpunkt steht, abgeglitten auf das Niveau von Geschichten, die rein
der Unterhaltung dienen, für die das Leben privater Personen
durchgehechelt wird. Zugleich haben Verbitterung und ärgerliche Erfahrungen
zugenommen, darüber, daß eine Privatperson nur zu einem Teil die Publicity,
die um die eigene Person betrieben wird, kontrollieren kann.

Die dritte, vielleicht traurigste, in den Interviews wiederholt
hervorgetretene Sache ist die, daß es in der heutigen Zeit der Tenor des
Spiels wäre, daß es nun mal ist, wie es ist, und daß niemand etwas dagegen
an kann.

"Der spielangebende Ton" bestimmt, daß, wer beschließt, an die
Öffentlichkeit zu gehen, dann auch, ohne zu murren, das Gesabbere, die
Geschichten hinterm Rücken, die Kritik, und eine radikale Schmälerung der
Gewährleistung der Privatsphäre in Kauf nehmen muß. Eine Person, die in der
Öffentlichkeit steht, genießt so gar, vom Gesetz her so bestimmt, eine
schwächere Gewährleistung der Privatsphäre als ein gewöhnlicher Bürger. In
Kapitel 124, Paragraph 8 des finnischen Strafgesetzes wird
festgestellt, daß man über das Privatleben einer Person, die mit einem Amt oder
einer Tätigkeit in der Politik, im gewerblichen Leben oder auf dem
öffentlichen Sektor betraut ist, schreiben darf, wenn die Präsentation
vonnöten ist, um eine gesellschaftlich belangreiche Angelegenheit
aufzuarbeiten.

Das Kommittee fürs veröffentlichte Wort, das die Einhaltung der
Richtlinien für Journalisten überwacht, hat die Menschen in drei Gruppen
aufgeteilt, mittels derer sich, grob verallgemeinernd, der Grad der Gewährleistung der Privatsphäre eines jeden bestimmen läßt. Zu Gruppe A zählen die
hervorstehenden Machtausübenden im Feld von Politik, Verwaltung und des
Geschäftslebens, Gruppe B hingegen setzt sich aus den Personen unter den
Zeitgenossen zusammen, welche Auftritte in der Öffentlichkeit abhalten,
die hauptsächlich also im Kulturgeschäft oder in der
Unterhaltungsbranche beschäftigt sind, und in der Gruppe C sind die gewöhnlichen Bürger.
Gruppe A hat natürlich am wenigsten Privatsphären-Deckung, C am
meisten.

Man kann verstehen, daß Politiker und Künstler verschiedenen Kategorien
zugerechnet werden. Das Gesetz und die Grundsätze des Kommittees fürs
veröffentlichte Wort zielen, so wie ich es verstehe, daraufhin ab, daß
eine Person, die gesellschaftlich Beträchtliches ausrichtet, auch
öffentlich für sich gerade zu stehen hat.

Von einem Menschen, der eine politische oder gewerblich
unternehmerische Machtstellung innehat, darf man auch ein verhältnismäßig
einwandfreies Auftreten erwarten, und, dieses im Rahmen des guten Geschmacks zu bewachen, muss auch eine der Aufgaben der Medien sein. Daraus ergibt sich
die Frage, was für eine Macht die Kulturschaffenden, wie z.B. die
Künstler, haben, und was deren relevante Art sein könnte, dafür gerade zu
stehen.

Neben dem Schaffen von Werken und Inszenierungen und der Einnahme von
Positionen durch diese, könnte man das Künstlertum im weiteren Sinn auch
als kulturelle Einflußnahme definieren. Wenn wir eine Machtstellung
haben, so kommt diese gerade von daher, daß die Medien es sind, die uns
ein öffentliches Forum bieten, um unsere Anschauungen unter die Leute zu
bringen.
Aber ist eine Schwächung des Schutzes für die Privatsphäre der rechte
Preis für eine solche Position von 'Was-zu-sagen-haben'?

Ein Künstler, ganz im Gegensatz z.B. zum Premierminister, hat das
Recht, ja sogar die Pflicht, sich zum Clown der Gesellschaft machen zu
lassen, diszipinlos und unmäßig zu sein. Geht der Wachhund der Machthabenden
wohl begründeten Prinzipien nach, wenn er, ohne einen Augenblick
schlapp zu machen, auch die Tadellosigkeit der Gruppe B im Visier hat?

Das Buch "Wer sich auf ein Spiel einläßt" ist meines Erachtens eine
besonders willkommene Gedankeneinführung für eine breitere Diskussion über
die Prinzipien des Journalismus und dessen Ausrichtung. Das Hinnehmen
des Tons, der das Spiel angibt, samt Haut und Haaren, ist keine
Unabdingbarkeit.

Publicity ist für einen Großteil der Personen, die an der
Öffentlichkeit stehen, nicht nur eine Schiene, um seine narzistischen Bedürfnisse zu
befriedigen, und oft genug nicht mal die eigene Wahl, sondern eine vom
Beruf mitgebrachte Sache. Ich wünsche mir, daß die Diskussion um die
Prinzipien der Gewährleistung der Privatsphäre möglichst lebhaft bleiben
und dahin führen würde, daß zwischen Personen des öffentlichen Lebens und
den Medien keine noch größere Verbitterung als wie jetzt entstünde.

ELSA SAISIO

die Kolumnen-Schreiberin ist eine freischaffende Schauspielerin aus Helsinki

Ein Pflug geht durch das Feld der Gesellschaft, um es für die Aussaat der neuen, allem Geld abschwörenden Zeit erst mal aufzulockern

UnIteD sTaTes of CacoPHonY

« ein Bericht aus dem April '07-Heft des finnischen Untergrundblattes
Voima (Power), übersetzt aus dem Finnischen »


Zur Mitte des letzten Jahrzehnts kam es Chicken John, einem Meister des
Punk, in den Sinn, eine herumziehende Künstlertruppe zu gründen, den
Circus Redickuless.

Der gute Herr dürfte am ehesten von seiner Karriere
als Gitarrist bei The Murder Junkies, der Background-Band des
berühmt-berüchtigten Punkers GG Allin, her bekannt sein.

Für den Zirkus wurden Performer aufgeboten wie der Unglaubliche Jarico
Reese - ein unbegabter Magier, Speed-Metal-Stepptänzer, ein Wunderhund
Unglaublicher Dammit, der durch den Ring nicht hüpfen wollte, ein
Schleimiger Vegetariertyp, der Lange Lulatsch (dessen unglaubliches Talent
es war, recht lang zu sein), sowie ein Sprechender Mimiker.

Diesen kulturellen Mißklang auch weit und breit hinauszuposaunen, dafür
trug das US-amerikanische Kombo-Kollektiv der absonderlichen Menschen,
The Cacophony Society, mit Chicken John als Kapellmeister, die
Verantwortung. Worum handelt es sich genau?

Ich schicke eine Email an Sebastian Melmoth nach San Francisco. Melmoth
ist einer der Gründerfiguren von The Cacophony Society. Nach seiner
Analyse war der Zirkus Redickuless "ein Haufen dahinrottender, verlogener,
verbrecherischer und geistig zurückgebliebener, autistischer Clowns."

"Wenn solchen Typen das Essen ausgeht, ist man am besten auf der Hut:
sie essen dir deine Katze auf. Das einzige vernünftige und halbwegs
begabte Mitglied in der Schar von wirrköpfigen Herumtreibern war der
manische australische Kuhhirtenhund."

Die Kakophonisten, die irgendwo zwischen Terroristen sozialer
Situationen und überemsigen Straßenkünstlern anzusiedeln sind, verursachen
Heiterkeit und Verdruß, wo immer sie auftreten, in erster Linie an
verschiedenen Orten der Vereinigten Staaten.

Die Art von Aktivität geht auf die unruhigen 1970er zurück. Melmoth hatte im
Jahre 1977 in San Francisco eine "Geheimgesellschaft" ins Leben
gerufen, deren Name The San Francisco Suicide Club lautete. Melmoth erzählt,
daß es ein Ziel der Mitglieder war, "jeden Tag so zu leben, als wenn es
unser letzter wäre."

Zu den Aktionen gehörte unter anderen das Erforschen von verlassenen
Immobilien und Tunneln, ein Straßentheater, sowie das Einfallen als
Zaungast bei Orgien. Der Selbstmörder-Klub stellte seine Tätigkeiten im
Jahre 1982 ein.

Vier Jahre später sehnten sich sechs Typen nach den alten Zeiten und
beschlossen, einen neuen Verein auf die Beine zu bringen. The Cacophony
Society
wurde geboren. Sebastian Melmoth war es erst einen Monat nach
deren Gründung gegeben, sich den Kakophonisten anzuschließen, nachdem er
von einer Ausbüchstour zurückgekommen war.

"Meine von mir geschasste Freundin jagte nach mir mit der Absicht, mit
der Büchse mit mir abzurechnen: ich weiß, daß es barbarisch und ach so
amerikanisch ist, aber eine Büchse ist immer noch wirksamer als ein
Tranchiermesser oder eine Holzkeule oder was ihr Nordeuropäer sonst so
benutzt."

Die Aktionen weiteten sich von der West-Küste auf das ganze Land
aus, aber auch außerhalb Nordamerikas kann man Vereinigungen antreffen. Es
ist ein leichtes, sich der Kakophonie anzuschließen: Anführer, eine
Organisation oder Regeln gibt es keine. So lautet denn auch das Motto:
"You may already be a member," du könntest vielleicht schon Mitglied sein.
Jeder, der an urbaner Allerwelts-Performance-Kunst interessiert ist,
kann einen eigenen Verein aufstellen.

"Oh ja, wer immer es auch ist, egal wie versifft, stinkend,
ungemütlich, fragwürdig oder von seinem Verstand her zurückgeblieben einer ist,
jeder kann seinen eigenen Ablegerverein starten. Meine Botschaft an die
Menschen ist, holt euch das Leben heim - eine Art, sich es zu holen, ist
die Gründung eines eigenen Cacophony-Vereins. Ich tat das gleiche, und
das ist der einzige Grund, warum überhaupt jemand mit mir spricht!"

The Cacophony Society spielt mit den Werten der Gesellschaft und mit
den Bedeutungen, die man sich angewöhnt hat, weigert sich aber, sich an
irgendwelche Zielsetzungen festzubinden.
Nach ihrer eigenen Charakterisierung sind die Kakophonisten ein
zufällig zusammengestelltes Netzwerk von freien Seelen, die das Bestreben
verbindet, Erfahrungen jenseits der Mainstream-Kultur zu suchen.

Man machte sich zum Beispiel auf, nach solchen zu haschen, indem man
einen Osterhasen gekreuzigt, Bingo auf einem Friedhof für Haustiere
gespielt, oder eine Wanderung zur Golden Gate-Brücke unternommen hat.
An den Aufführungen darf wer auch immer teilnehmen, wenn man nur
genügend verrückt ist, um dabei mitzumachen
.

Etwas für den Zyniker

The Cacophony Society ist ein Klub für Taugenichtse, die die
Gesellschaft meiden, deren Mitglieder alle anscheinend zuviel Zeit oder zu wenig
richtige Sorgen haben. Aber kann man bei dem Remmidemmi auch Anklänge
an dadaistische Kunst entdecken, die das Niveau einer Hochkultur
erreichte?

"Nein," gibt Sebastian Melmoth zur Antwort. "Dadaismus setzt eine
intelligente Kraftanstrengung voraus. Seinerzeit versuchten wir freilich
auch, auf das hinzuzugehen, aber im Endergebnis blieb uns nur eine
schlimme Begeisterungslosigkeit davon zurück. Am nähesten von Kunst kamen wir
mit unserem PottyCon-Happening, bei dem wir, neben anderen koprophilen
Ausgelassenheiten, die Wände des Ausstellungsraums mit Exkrementen
verschmierten."

Was ist nach Meinung von Sebastian Melmoth, der alles mit angesehen hat
(dessen Name zufällig auch das Pseudonym von Oscar Wilde war) als
dessen bemerkenswerteste, kulturaufstörende Errungenschaft zu verzeichnen?

"Meine Eltern davon zu überzeugen, daß ich ein verantwortungsbewußt
funktionierendes Mitglied der Gesellschaft bin. Huh, das war schwierig!"

VELI KOSKINEN

14
Mai
2007

Umsonst wird's wohl kaum je etwas geben

Und das wird wohl auch so bleiben, selbst wenn eines Tages der neue zuwachs-schaffende Werte-Umguß auf die Tische einer neuen geldlosen Zeit endgültig gekommen sein wird.

Aber der Einstand des letzteren dürfte eben von Haus aus sowieso erst nur dann klappen, wenn es auch dem allerletzten noch von uns bewusst geworden ist, daß es sich schlichtweg um eine unabdingbare konstruktive Regel im kosmisch-kreativen Rahmen aller Dinge handelt, daß von nichts eben nichts kommt, und daß man letztlich deshalb auch nichts umsonst bekommt.

Wenn jeder in einer panvoluntaristischen Weltordnung dereinst einen allgemeinen Anspruch haben wird, ohne bezifferbare, ohne jegliche zeitlich und durch Leistungen abzuarbeitende Zahlungsmittel, aus dem Pool dessen, was die Gemeinschaft herzugeben fähig ist, genau all das ausgehändigt zu bekommen, was die Herzen in den Ringen ihrer vernetzten neu realisierten Freiwilligkeit nur so alles begehren, da könnte vielleicht der eine oder andere sich etwas leichter als jetzt durch die Maschen des Systems hindurchmogeln (wie man sich denken kann, kennen wir doch unsere Ebenbilder), aber es sollte eben spätestens auch dann, wenn das neue System dereinst steht und auch wirklich greifen, und niemanden, auch keinen blassen Hottentotten im kahlen Busch hungrig stehen lassen soll, auch dem letzten klar geworden sein (und dies dürfte d i e zentrale Vorbedingung sein überhaupt für das Zustandekommen eines Umbruchs auf neue paradiesischere Zeiten hin), daß man auch dann, wenn es kein Geld mehr gibt, und man alles umsonst kriegen wird, sich nicht nur auf die faulen Hinterbacken hocken darf, um allerweil nur den müßigen Freuden des Lebens nachzugehen, um auf ewig nur lustige, oder auch weniger lustige, Maulaffen feilzuhalten; nein, so wird's natürlich nicht abgehen, so nicht!


Auch dann werden natürlich alle Aussaaten und Ernten, Arbeiten und Manufakturen, Leistungen und Dienste getätigt werden müssen, aber eben umsonst dann, auf freiwilliger Basis alles, und jeder einzelne wird nicht mehr um des erniedrigenden Geldes willen seinen obligatorischen Beitrag dem Gemeinwesen beisteuern, sondern einzig und allein aus dem Bewusstsein heraus, durch seinen Beitrag die Maschinerie mithin am Laufen zu halten. Wenn sichs nicht mehr ums Geld dreht, so kann alles Tun und Treiben einem wieder echte Freude machen - die Freude daran, völlig ungehindert, nach freier Wahl, einfach aus den Arbeits-Angeboten gegenüber den Notwendigkeiten der Gesellschaft sich bedienend, in herrlich glücklicher Selbstverwirklichung des eigenen Könnens und Talents sich zu ergehen.

Es gibt in Amerika ja bereits zum großen Glück, wie ich sagen muß, von San Francisco ausgehend, eine langsam immer flotter um sich greifende Bewegung von Gruppen solcher, die bewußt dem Druck und Trott des Geld-Systems, und somit auch dessen Pein und Nöten, abgeschworen haben, die allesamt zusammenstehen im Zeichen einer möglichst autarken Lebensweise, die derweil noch eine Protesthaltung darstellt gegenüber dem ins Kraut geschossenen Konsumerismus unserer Welt.

Daß gerade sie, die Mitglieder dieser Gruppen, die unter dem Namen The Compact ihre Flaggen gehisst haben (so genannt nach dem Mayflower Compact), die Pioniere und Vorreiter sein könnten für die Abschaffung des Geldes, dessen sind sie sich wahrscheinlich noch gar nicht bewußt geworden. Aber ich habe bereits einen ersten kurzen Kontakt zu den Gruppen aufgenommen, und ihnen den Hinweis zugespielt, daß das Ziel durchaus die letztendliche Abnabelung vom alten, dem Hitzetod entgegenfiebernden System, also vom ganzen Geld-System, bedeuten könnte und sollte. (Näheres zum Thema ist in meiner Homepage, und in meinen Gedichten zu lesen).

Die Dach-Gruppe von The Compact stellt sich im Internet auch vor, und zwar unter
https://groups.yahoo.com/group/thecompact/

10
Mai
2007

Die Menschen, wenn sie sich übers Geld erheben, werden zu Dichtern des Lebens werden

Den Feuerbrand, den das Geld in der Welt verursacht hat, zu Ende brennen lassen, nicht mehr nachschüren!

Des Toren Herz und Geld sind nie recht einverständig;
du machst einander sie mit leichter Kunst abwendig.

Ich muß dem Lügenden in seinem Hause glauben,
doch draußen muß er schon den Zweifel mir erlauben.

Nicht Großes nur ist groß, nicht Kleines nur ist klein;
nicht die Gestalt ist es, nur der Gedank' allein.

Der Juwelier, wenn er den Edelstein will fassen,
darf sich vom Glanze nicht die Augen blenden lassen.

Aus bittern Meeren zieht die Sonne süßes Wasser,
so zieh auch Liebe du aus Herzen deiner Hasser.

Man sieht das Geld nicht an, das Leben nur zu sparen,
und setzt das Leben dran, die Ehre zu bewahren.

Die Vorsicht geht zu sacht, die Zuversicht zu keck;
Vorsicht, mit Zuversicht vereint, gelangt zum Zweck.

Das Höchste ist die Gunst, womit der Himmel schaltet,
das Nächste ist die Kunst, womit der Gärtner waltet.


Das Leben ist ein Feu'r, die Luft muß es erquicken;
sobald die Luft ihm fehlt, wird es in sich ersticken.

Bei Unverträglichkeit gedeiht kein Feu'r im Haus,
der eine bläst es an, der andre bläst es aus.

"Was liegt am ird'schen Gut?" wirst du voll Großmut sagen,
wenn's deinem Nachbarn ward, und nicht dir davongetragen.

Stets lebt ein Dichter im Verteilen von Geschenken;
nichts hat er, ohne gleich der Welt es zuzudenken.

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9
Mai
2007

Apropos neue Erfindungen

Den Traum-Vision-Wandler-Monitor, mit dem man allmorgendlich sich den Traum der letzten Nacht auf dem Bildschirm anschauen kann, gibt es leider noch nicht, obwohl dessen technologische Entwicklung und Ausarbeitung - ich erinnere mich da genau daran - zusammen mit der ersten Präsentation des damals gerade neu erfundenen CD-Spielers in einem Technorama-Beitrag vorgestellt wurde - es wäre angeblich schon zu ersten Test-Versuchen an schlafenden Menschen gekommen, die aber leider während dem Schlafen zu dem Zweck noch verdrahtet werden müßten * übel *, anstelle wireless mit Hirnströmen das ganze aufzufangen.
Oder aber war das damals mit dem TraumSpieler nur als ein April-Scherz gemeint, das war nämlich in jenem Jahr so um die Zeit zum 1. April herum?

Spanish-culture
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8
Mai
2007

An einem einzigen Tag kann die Welt ein neues Gesicht bekommen

Fünfte Maie mit eigenen Reminiszenzen

1600 » der französische Diplomat Jean Nicot stirbt. Nicot, der in Portugal als Botschafter fungierte, brachte zur Mitte des 16. Jahrhunderts den Tabak nach Frankreich. Carl von Linnë verwendete den Namen von Nicot, als er für die Tabakpflanze den wissenschaftlichen Namen kreierte (Nicotiana tabacum)

1821 » Frankreichs Kaiser Napoleon Bonaparte stirbt

1944 » Mohandas (Mahatma) Gandhi kommt aus dem Gefängnis frei

1948 » Das Theaterstück Herr Puntila und sein Knecht Matti von Bertold Brecht und Hella Wuolijoki wird in Zürich uraufgeführt

1949 » Das Europäische Kommittee wird in London gegründet

1988 » Finnland wird Mitglied des Europäischen Kommittees

2006 » Lagerräume der Staatlichen Eisenbahn Finnlands fällen den Flammen eines Brands in Helsinki zum Opfer

2007 » In 230 Städten werden rund um die Welt friedliche Demonstrationsmärsche für die Legalisierung von Marihuana abgehalten
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against enslaving

Eine Welt so ganz ohne Geld

"Benefits Supervisor Awakening" für Menschen, die durch und durch Mensch sind und nicht mehr länger ums Goldene Kalb herumtanzen wollen

mit vielen Überraschungs-Effekten:

interessante Links an Stellen, wo keiner sie vermutet

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Musikalisches


Amy Martin
Day of Reckoning

Pekka Pohjola von der finnischen Jazz-Rock-Band Wigwam, verst. im Nov. 2008
Pressure

Wird das arme Sparschweinchen schon irgendwo auf der Welt in seine wohlverdiente Freiheit entlassen?

Suche

 

* * *

"Nachrichten allein bedeuten gar nichts. Man braucht Autoren, die sie deuten können." — Helmut Schmidt

Wie lange sind wir schon mit dabei?

Online seit 7001 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 21. Okt, 16:19

Immer mehr sind fürs Geldabschaffen!

Ein Paradies auf Erden kann es geben

aber nur wenn es das Geld nicht mehr gibt. Packen wir's an, es wegzupacken!

development